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Zwei Männer im Park
(vom: 26.06.2009)Ein Mann sitzt auf einer Bank im Park. Ein anderer kommt hinzu. Er schaut die Bank an, schaut den Mann an und sagt
„Hier ist ja noch frei!“
Ohne dass der andere Mann ihm antwortet, setzt er sich einfach neben ihn. Er zieht eine Tageszeitung aus seiner hinteren rechten Hosentasche und beginnt zu lesen.
„Mein Gott, jetzt haben die schon wieder eine Leiche aus dem Starnberger See gefischt. Wer macht so etwas nur? Wenn man jemanden umgebracht hat, dann wirft man ihn doch nicht einfach in den See, die werden immer gefunden. Außerdem sind sie dann relativ leicht zu identifizieren, weil sie länger frisch bleiben.“
„Sind Sie Pathologe?“ , fragt der andere.
„Nein Rentner. Wieso?“
„Könnte man meinen.“
„Wieso? Nur weil ich mich mit Leichen im See auskenne?!“
„Ach, dann sind Sie also Profi-Killer?“
„Nein, natürlich nicht. Ich lese einfach nur hin und wieder Zeitung. Und das ist nicht das erste mal, dass darüber berichtet wird, dass eine Leiche im See gefunden wurde.“
„Ach so,...schön.“
„Das finden Sie schön?“
„Nein finde ich nicht! Für wen halten Sie mich?“
„Naja Sie sagten gerade 'schön'.“
„Ich meinte damit aber nicht das was es eigentlich heißt, ich hab es ironisch gesagt, es war ein ironisches schön! Es sollte so eine Art 'na dann' bedeuten.“
„Ja und warum sagen Sie dann nicht einfach 'na dann'?“
„Warum sagen Sie vielleicht einfach mal nichts!?“
„Wieso sollte ich nichts sagen? Wollen Sie mir meine Meinung verbieten?“
„Nein will ich nicht, es ist mir egal was Sie sagen. Von mir aus könnten Sie auch sagen, dass sie den Papst sexy finden. Hauptsache Sie sagen es jetzt nicht. Hauptsache Sie sagen jetzt einfach überhaupt nichts!“
„Sie wollen mir also doch meine Meinung verbieten?“
„Ich will einfach nur die Stille im Park genießen.“
„Wenn Sie Stille genießen wollen, warum legen Sie sich dann nicht zu Hause auf Ihr Sofa oder in Ihr Bett?“
„Sie sind extra hier her gekommen um andere Menschen zu nerven oder?“
„Versuchen Sie jede Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten?“
„Ich nicht...“
„Hat aber den Anschein.“
„Und Sie machen den Anschein, dass sie einen perversen Spaß darin sehen, anderen Menschen ihre Privatsphäre zu rauben.“
„Sie müssen jetzt nicht beleidigend werden.“
„Das war keine Beleidigung, das war eine Feststellung.“
„Sind Sie Germanist?“
„Nein. Ich bin ebenfalls Rentner. Wieso?“
„Könnte man meinen. Naja auf jeden Fall muss ich jetzt glaube ich weiter.“
„Wenn Sie das glauben, dann will ich sie mal nicht davon abbringen.“
„Abbringen? Von was?“
„Na vom Glauben.“
„Ach Sie sind ja lustig!“
„Mag sein. Und Sie sind ja nervig.“
„Mag sein.“
Einer der beiden Männer steht auf. Sein Handy klingelt und er geht ran.
„Schubert...nein hier ist nicht Hermann Schubert, da haben Sie sich wohl verwählt. Mein Name ist Josef Schubert...ja auf Wiederhören.“
„Josef Schubert?“
„Haben Sie doch gerade gehört?!“
„Josef ich fasse es nicht...Ich bins, der Franz.“
„Franz?“
„Na der Franz Kaufmann. Dein alter Klassenkamerad auf der Gesamtschule...weist du noch?“
„Ach natürlich...mensch Franz. Ich hätte dich niemals wiedererkannt!“
„Naja, wie viele Jahre mag das jetzt her sein, dass wir uns das letzte mal gesehen haben? 48...49 Jahre?“
„Wie geht’s dir Franz“
„Ach weist du, mir geht’s eigentlich..“
Auf einmal hört Franz auf zu reden. Panik ist in seinen Augen zu sehen. Er starrt gerade aus. Plötzlich kommt ein schwarz maskierter Mann auf ihn zu gerannt, packt ihn und zerrt ihn mit sich mit.
„He,...wo willst du mit ihm hin?“, fragt Josef.
„Zum See.“, meint der maskierte Täter plump.
Josef bleibt einen Augenblick fassungslos stehen, kratzt sich kurz am Hinterkopf, zuckt mit den Schultern und meint „Jetzt hat sich´s 'ausgefranzt'!“
Seit jenem Tag wartet Josef vergeblich darauf, endlich den Zeitungsartikel über seinen alten Freund Franz zu lesen. Vergeblich!
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